Essen, Juli 2026 – Immer mehr Städte und Gemeinden ziehen sich aus der öffentlichen
Alttextilsammlung zurück. Sie kündigen bestehende Sondernutzungserlaubnisse, erteilen keine neuen Genehmigungen mehr oder untersagen die Aufstellung von Altkleidercontainern im öffentlichen Raum grundsätzlich. Teilweise werden bisherige Sammelkonzepte vollständig eingestellt. Bürger*innen werden dann ausschließlich auf Wertstoffhöfe oder Annahmestellen gemeinnütziger Organisationen verwiesen.
Damit reagieren die Kommunen auf eine akute Problemlage: Überfüllte Container und illegale Beistellungen führen zu Beschwerden und erheblichem Handlungsdruck. Statt die Ursachen mit angepassten Sammelkonzepten anzugehen, schaffen manche Kommunen die öffentliche Alttextilsammlung jedoch faktisch ab. Sie beseitigen damit zwar kurzfristig problematische Containerstandorte aus dem Stadtbild, zugleich aber auch die wohnortnahe Infrastruktur, die für eine funktionierende getrennte Sammlung unverzichtbar ist.
Der Dachverband FairWertung warnt deshalb davor, die aktuelle Krise mit einem weitgehenden Rückzug aus der Fläche oder einem pauschalen Verbot öffentlich zugänglicher Sammelbehälter beantworten zu wollen.
„Wer Sammelcontainer abbaut, beseitigt nicht die anfallenden Alttextilien. Die Mengen verlagern sich lediglich auf andere Strukturen – schlimmstenfalls in den Restmüll“, erklärt Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverband FairWertung. „Die Altkleiderkrise erfordert deshalb nicht weniger Sammlung, sondern eine besser organisierte und verlässlich finanzierte Sammlung.“
Getrenntsammlungspflicht erfordert erreichbare Sammelangebote
Seit dem 1. Januar 2025 müssen Textilien getrennt von anderen Abfällen gesammelt werden.
Aus Sicht von FairWertung lässt sich diese Getrenntsammlungspflicht dauerhaft nur erfüllen, wenn den Bürger*innen ausreichend, gut erreichbare und verlässlich betreute Abgabemöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Der bloße Verweis auf einen oder wenige Wertstoffhöfe eines Landkreises genügt diesem Anspruch nicht. Wertstoffhöfe sind zwar ein wichtiger Bestandteil kommunaler Entsorgungsstrukturen. Sie können ein dichtes Netz wohnortnaher und möglichst niedrigschwellig zugänglicher Sammelmöglichkeiten jedoch nicht ersetzen. Für viele Menschen sind sie nur mit dem Auto erreichbar und ihre Nutzung ist an begrenzte Öffnungszeiten gebunden. Gerade für kleinere Mengen ausgedienter Kleidung und Textilien werden diese zusätzlichen Wege häufig nicht zurückgelegt.
Der Abbau einzelner besonders problematischer Standorte kann kurzfristig für Entlastung sorgen. Werden jedoch ganze Sammelnetze aufgegeben und öffentliche Standorte grundsätzlich ausgeschlossen, wird aus einer kurzfristigen Krisenreaktion eine strukturelle Fehlentscheidung.
Werden öffentliche Sammelstellen deutlich reduziert, können schneller gefüllte Behälter, zusätzliche Beistellungen und längere Wege für die Bevölkerung die Folge sein. Damit droht sich genau das Problem zu verschärfen, das durch den Abbau der Container gelöst werden soll.
