Ab Januar 2025 wird die getrennte Textilsammlung in der gesamten EU verpflichtend. Außerdem soll ab 2027 das System der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) eingeführt, wodurch Hersteller und Importeure für die Sammlung und Verwertung von Textilien zahlen müssen. Diese Entwicklungen stellen den Re-Use-Sektor vor große Herausforderungen. Um diesen zu begegnen, setzt FairWertung bereits seit Jahren auf eine Zusammenarbeit mit dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Diese Strategie scheint sich nun auch auf europäischer Ebene fortzusetzen. So veröffentlichte RREUSE jüngst mit dem EU-Dachverband der kommunalen Abfallwirtschaft Municipal Waste Europe ein gemeinsames Positionspapier mit Empfehlungen zur Umsetzung des EPR.
Herausforderungen
Die neue Regelung stößt auf unterschiedliche Interessen: Produzenten, insbesondere aus der Fast-Fashion-Branche, setzen aus Profitgründen auf kurzlebige Produkte und schnelles Recycling. Soziale Unternehmen und Kommunen hingegen fördern die Abfallhierarchie, Materialreduktion und längere Wiederverwendung. Ohne entsprechende Maßnahmen könnte die getrennte Sammlung von Textilien zu vorzeitigem Recycling führen, selbst bei Kleidungsstücken, die länger wiederverwendbar wären, und damit soziale Unternehmen benachteiligen.
Chancen der Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit zwischen sozialen Unternehmen und Kommunen ist entscheidend für das Textilabfallmanagement. Während soziale Unternehmen die lokale Wiederverwendung fördern und inklusive Arbeitsplätze schaffen, unterstützen die Kommunen, indem sie die gemeinnützigen Sammler in die Textilsammlungen integrieren und im Vergabeverfahren von Stellplätzen berücksichtigen. Erfolgreiche Beispiele aus Italien, Österreich und Spanien zeigen den Nutzen solcher Kooperationen. In Vorarlberg etwa arbeiten alle Gemeinden mit einem Sozialunternehmen zusammen, was soziale und ökologische Vorteile bringt.
Forderungen an die Politik
RREUSE und Municipal Waste Europe fordern:
1. Berücksichtigung der Vielfalt der nationalen Kontexte und der schützenswerten Rolle der Sozialwirtschaft
Die unterschiedlichen Definitionen des Begriffs „Abfall“ in den Mitgliedstaaten haben zu uneinheitlichen Systemen der Textilabfallsammlung geführt. Um sicherzustellen, dass die nationale Vielfalt sowie soziale und ökologische Ziele von Sozialunternehmen erreicht werden können, sollte die Möglichkeit direkter Spenden beibehalten und die Verwendung dieses Begriffs auf Sozialunternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen beschränkt werden.
2. Faire Verwaltung von EPR-Systemen sicherstellen
Sozialunternehmen und Kommunen werden oft nicht ausreichend in die Steuerung von EPR-Systemen miteinbezogen. Eine verpflichtende Zusammenarbeit zwischen sozialen Unternehmen, Kommunen und Produzentenverantwortungsorganisationen (PRO) ist notwendig, um eine faire und effektive Strategie zu etablieren.
3. Umfassende Kostendeckung durch EPR-Systeme
EPR-Systeme sollten alle Kosten für Sammlung, Transport, Sortierung und Vorbereitung zur Wiederverwendung vollständig abdecken.
4. Vermeidung einer Negativspirale
Eine einzige nationale Produzentenverantwortungsorganisation oder eine unabhängige Überwachungsstelle sollte sicherstellen, dass beteiligte Organisationen fair agieren und nachhaltige Praktiken fördern. Der Wettbewerb zwischen verschiedenen Organisationen könnte sonst dazu führen, dass Produzenten sich den günstigsten und am wenigsten strengen EPR-Systemen anschließen.
5. Separate Sammlung für sperrige Textilien
Die Einbeziehung von Matratzen und Teppichen in EPR-Systeme würde die Umsetzung nachhaltiger Recyclingziele fördern und ist somit begrüßenswert. Separate EPR-Systeme für diese sperrigen Gegenstände sind allerdings notwendig, da ihre Sammlung und Verwaltung anders organisiert werden muss als die von Kleidung und Schuhen.
Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Bemühungen sozialer Unternehmen und Kommunen nicht untergraben und nachhaltige Praktiken gefördert werden.
Das Positionspaper in voller Länge finden Sie hier.