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Gemeinnützige Altkleidersammlungen vor dem Kollaps

Der Dachverband FairWertung fordert als Soforthilfen für gemeinnützige Alttextilsammler:

  1. Aussetzung von Stellplatzmieten und weiteren Gebührenverpflichtungen
  2. kostenlose Übernahme von textilen Überschüssen aus Direktsammlungen sowie von Fremd- und Stör-stoffen aus den Sammelbehältern
  3. ein Aussetzen oder Entgegenkommen bei der Erhebung der (Laden-)Mieten für alle gemeinnützigen Organisationen
  4. schnelle und unbürokratische Erteilung von Zuschüssen

Essen, den 06.04.2020. Im Zuge der weltweiten Corona-Krise (COVID-19) geraten ge-meinnützige Kleidersammlungen immer mehr unter wirtschaftlichen Druck. Die ge-meinnützigen Betreiber von Secondhand- und Gebrauchtwarenkaufhäuser sowie die Straßen- und Gemeindesammler müssen bereits erhebliche Umsatzeinbußen aufgrund der angeordneten Ladenschließungen und abgesagten Sammlungen hinnehmen.

Den Containersammlern gelingt es zwar aktuell noch, durch präventive Maßnahmen die Entleerungen der Behälter weitestgehend sicherzustellen, aber dies wird zunehmend schwieriger.
„Was unseren Mitgliedern große Sorgen bereitet, ist die Absatzseite – die Secondhand-Läden sind geschlossen und der Markt für Alttextilien ist zusammen gebrochen“, betont Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverband FairWertung e.V., „und die Situation auf dem Alttextilmarkt verschärft sich täglich weiter.“
Das funktionierende Netz zur Getrennterfassung von Textilien benötige in dieser außerordentlichen Situation um-gehend flexible Unterstützung - ansonsten drohe der vollständige Kollaps, so Ahlmann weiter.

Ohne unterstützende Maßnahmen droht der Zusammenbruch
Seit Beginn der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind die gemeinnützigen Sammler mit steigenden Mengen in den Sammelbehältern konfrontiert, da offensichtlich viele private Haushalte die Zeit der verminderten Sozialkontakte zum Aussortieren ihres Kleiderschrankes nutzen.
Allerdings wird es zunehmend schwieriger bis unmöglich, einen Abnehmer für die eingesammelte Ware zu finden. Der globale Handel mit Secondhand-Bekleidung ist aufgrund von Grenzschließungen faktisch ausgesetzt und die Nachfrage nach Sammelware aus deutschen Kleidersammlungen geht entsprechend zurück - und droht zeitnah ganz zum Erliegen zu kommen.
Trotz der erschwerten Bedingungen sind FairWertung Sammler weiterhin bemüht, die Entleerung der Container sowie die Säuberung der Sammelplätze aufrechtzuerhalten. Damit zumindest dieser Dienst weiterhin geleistet werden kann, benötigen die Sammler nun flexible Unterstützung aller Partner. So müssen z.B. die vielfach erhobenen Stellplatzgebühren für Sammelbehälter ausgesetzt werden. Ein weiteres Problem sind die Fremd- und Störstoffe in den Containern, die nach den vielerorts erlassenen Schließungen der Wertstoffhöfe massiv angestiegen sind. Hier kann eine kostenlose Übernahme vom örtlichen Abfallwirtschaftsbetrieb eine wirksame, unbürokratische Hilfe darstellen.

Kostenneutrales System Altkleidersammlungen
In Deutschland besteht aktuell ein flächendeckendes, eingeübtes und akzeptiertes System zur Erfassung von Alttextilien – das beweist die europaweit unerreichte Erfassungsquote bei Alttextilien. Besonders gemeinnützige Sammler sind dabei in der Vergangenheit verlässliche Partner für die öffentliche Hand bei der Erfassung, Wiederverwendung und Verwertung von Alttextilien gewesen. Anders als andere Abfallströme und Entsorgungszweige hat die Altkleiderbranche in der Vergangenheit keine Entgelte erhalten. Vielmehr waren Altkleidersammlungen für den kommunalen Gebührenhaushalt kostenneutral. Dies ist in der aktuellen Situation nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Pandemie trifft Sammler in sowieso schwieriger Marktlage
Gemeinnützige Organisationen und sozialwirtschaftliche Beschäftigungsgesellschaften haben bei der Erfassung und Verwertung von Textilien seit vielen Jahren eine große Marktrelevanz und fachliche Expertise. Sie beschäftigen vielfach Menschen mit Behinderungen oder multiplen Vermittlungshemmnissen. Zudem sind sie Pioniere in der lokalen Wiederverwendung.
Die Corona-Krise trifft die Organisationen in einer sowieso schwierigen Marktlage. Das System der kostenlosen Altkleiderabgabe ist durch den starken Anstieg von Textilien minderer oder schlechter Qualität bereits in finanzielle Schieflage geraten. Denn bisher finanziert sich das Erfassungssystem ausschließlich durch den Handel mit gut erhaltener Secondhand-Ware aus den Kleidersammlungen. Dagegen ist das Einsammeln und Weiterverwerten von minder-wertigen Textilien bereits seit langem nicht kostendeckend.
Die aktuell sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie treffen die Branche umso heftiger – schnelle Hilfe ist daher geboten.

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i 06.04.2020