FairWertung Stellungnahme zur Konsultation der EU-Kommission über eine EU- Strategie für nachhaltige Textilien
Datum

Der Dachverband FairWertung ist der größte deutsche Zusammenschluss von
gemeinnützigen Organisationen, die Alttextilien sammeln. Die Organisationen geben die Textilien in Shops weiter oder führen sie durch eine geordnete Vermarktung einer stofflich hochwertigen Verwertung zu. Durch die gemeinnützigen Kleidersammlungen werden lokale Wiederverwendungskreisläufe etabliert, ein sozial attraktives Angebot an Gebrauchtwaren vorgehalten, Beschäftigung geschaffen und wichtige Erlöse für soziale Ar- beit und Zwecke erwirtschaftet. Die gemeinnützigen (Alttextil-)Sammler sind damit ein wichtiger Bestandteil der flächendeckenden Erfassungsinfrastruktur in Deutschland und Pioniere der Kreislaufwirtschaft.

Vor dem Hintergrund der negativen Auswirkungen des linearen Produktions- und Konsummodells im Textilsektor begrüßt der Dachverband FairWertung die Entwicklung einer „EU Strategy for Sustainable Textiles“. FairWertung möchte die Gelegenheit nutzen, auf folgende Punkte besonders hinzuweisen:

Die Strategie sollte die Rolle von gemeinnützigen Alttextilsammlern und Sozialunternehmen stärken. Denn die Akteure in der Sozialwirtschaft, deren Hauptziel darin besteht, eine soziale, gesellschaftliche oder ökologische Wirkung zu erzielen, berücksichtigen im Besonderen die Abfallhierarchie, bieten zirkuläre und nachhaltige Lösungen im Umgang mit Gebrauchttextilien und vielfach lokale, grüne und integrative Arbeitsplätze in der EU.

Eine Kreislaufwirtschaft basiert auf Grundprinzipien wie der Abfallvermeidung und der Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Daher sollten Maßnahmen zur Reduzierung des Konsums stärker priorisiert werden. Darüber hinaus können Abfälle und Umweltauswirkungen bereits durch eine entsprechende Produktgestaltung vermindert werden. Dementsprechend sollte ein Design für Haltbarkeit, Reparatur und Wiederverwendung obligatorisch in der Strategie sein. Eine Strategie, die ausschließlich auf das Textilrecycling fokussiert, greift daher zu kurz.

FairWertung fordert entsprechend:

  • Wiederverwendung vor Recycling:
    Textilien sollten so lange wie möglich in der Nutzungsphase gehalten werden. Es dürfen keine Maßnahmen ergriffen werden, die Recycling oder Zerstörung/Verbrennung attraktiver machen als die Wiederverwendung. Stattdessen müssen lokale Wiederverwendungskreisläufe aktiv ge- fördert werden;
  • Verbot der Zerstörung von gebrauchsfähigen Textilien:
    Eine steuerfreie Spende von z.B. Over- oder Deadstocks an gemeinnützige Organisationen könn- te die Zerstörung unattraktiv machen und gleichzeitig soziale Arbeit und Ziele in den Mitglied- staaten stärken;
  • Stärkung insbesondere von gemeinnützigen Sammelstrukturen in Europa: gemeinnützige Sammler und Organisationen schaffen besonders im sozialen Sektor Beschäftigung und unterhalten lokale Wiederverwendungskreisläufe. Darüber hinaus sind Alttextilsamm- lungen eine wichtige Finanzierungsquelle für soziale Arbeit und Zwecke;
  • Entwicklung von einheitlichen Standards für die Sammlung, Sortierung und im Recycling;
  • Unterstützungsmaßnahmen zum Auf- und Ausbau von Kapazitäten für eine hochwertige stoffliche Verwertung in Europa, um die anfallenden Mengen auf nachvollziehbaren Wegen einer stofflichen Verwertung und unter Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards zuführen zu können (Sortier- und Recyclinganlagen);
  • Kennzeichnungspflicht von Textilien, um Textilien am Ende ihrer Lebensdauer effizient einerpassenden Recyclingtechnologie zuführen zu können;
  • Förderung von Forschung und Entwicklung für echte Recyclingverfahren in Europa;
  • Maßnahmen zur Unterstützung der Markteinführung und Nachfrage nach Produkten und Stoffen aus echten Recyclingverfahren.

 

Der Dachverband FairWertung spricht sich grundsätzlich für die Entwicklung und Einführung wirksamer Systeme der Erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien unter Einbeziehung ambitionierter ökologischer und sozialer Ziele (Erfassungs- und Wiederverwendungsziele etc.) aus. Voraussetzung ist dabei, dass die Aktivitäten und Strukturen gemeinnütziger Sammel- und Wiederverwendungssysteme nicht infrage gestellt werden. Vielmehr sollten die Regelungen der Umsetzung einer wirksamen textilen Kreislaufwirtschaft dienen. Gern beteiligen wir uns an den Diskussionen.

Kontaktieren Sie uns:

Dachverband FairWertung e.V.
Gutenbergstraße 19
45128 Essen
Tel. 0201-621067
Mail: info@fairwertung.de

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