Berlin, Januar 2026 – Auf Einladung von MdB Julia Schneider (Bündnis90/DieGrünen) hat
Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung e.V., im Rahmen eines
Expertengesprächs zur nationalen Umsetzung der EU-Abfallrahmenrichtlinie und zur
Einführung eines Systems der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer
Responsibility, EPR) für Textilien, die Perspektive des sozialen Sektors eingebracht. Ziel der
Veranstaltung war es, zentrale Anforderungen an ein wirksames und praxisnahes EPR-System
zu diskutieren, das einen echten Beitrag zur Abfallvermeidung und zur Stärkung der
Kreislaufwirtschaft leistet.
In der Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Umweltverbänden und
Wirtschaft wurde deutlich, dass die nationale Ausgestaltung der EPR entscheidend dafür sein
wird, ob die angestrebte Systemveränderung zu mehr Nachhaltigkeit im Textilsektor
tatsächlich gelingt. Konsens bestand darin, dass die erweiterte Herstellerverantwortung nicht
allein der Finanzierung von Entsorgung und Recycling dienen darf, sondern auf
Abfallvermeidung, Langlebigkeit von Textilien und den Erhalt bestehender (gemeinnütziger)
Strukturen ausgerichtet sein muss.
Thomas Ahlmann wies in seinem Beitrag insbesondere auf die seit Jahren zunehmenden
Belastungen der gemeinnützigen Sammel- und Sortierstrukturen hin. Steigende Mengen bei
gleichzeitig sinkender Qualität der Alttextilien gefährdeten zunehmend die wirtschaftliche
Tragfähigkeit der bestehenden Systeme. Bereits seit 2019 habe FairWertung darauf
hingewiesen, dass das bislang kostenfreie Sammelsystem an seine Grenzen stoße und ohne
eine faire finanzielle Beteiligung der Hersteller nicht dauerhaft tragfähig sei. Der drohende
Verlust dieser Infrastruktur würde jedoch die Grundlage für die Umsetzung der EPR
untergraben.
Zugleich machte Ahlmann deutlich, dass die hohe Bereitschaft der Bevölkerung zur
getrennten Sammlung von Alttextilien weiterhin vorhanden sei. Um dieses Engagement zu
erhalten, müsse die nationale Umsetzung der EPR insbesondere die gemeinnützigen Sammler
und Wiederverwender einbinden, einen verlässlichen Pfad aufzeigen und klare Rollen sowie
eine rechtssichere, transparente Steuerung vorsehen. Besondere Bedeutung komme dabei
einer Erstsortierung innerhalb der Europäischen Union zu, um Kontrolle, Qualitätssicherung
und die Vermeidung illegaler Abfallverbringung zu gewährleisten.
Der Dachverband FairWertung e.V. unterstrich im Rahmen des Expertengesprächs erneut
seine Rolle als zentrale Stimme der gemeinnützigen Akteure in der textilen
Kreislaufwirtschaft. Mit seiner langjährigen Erfahrung aus der Praxis bringt der Verband
fundierte Expertise in die politische Debatte ein und setzt sich für eine EPR-Ausgestaltung
ein, die ökologische Ziele mit sozialem Anspruch und gesellschaftlichem Mehrwert verbindet.