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Durch Konsum textile Müllberge verkleinern?

Ein großer Textilhersteller ruft derzeit eine weltweite Recyclingwoche ("World Recycle Week“) aus. Die Modekette möchte mit der von ihr erfundenen Aktion laut eigener Aussage „Müllberge verkleinern“ und „ökologische Auswirkungen von Mode minimieren“. Was nach ökologischem Engagement aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung in erster Linie als Werbeaktion zur Umsatzsteigerung und Imagepflege. Denn wer gebrauchte Textilien in einem der Läden abgibt, erhält jetzt sogar einen extra erhöhten Rabatt beim Kauf von neuen Sachen.

Besonders die Rabattaktion macht die Widersprüchlichkeit der Aktion deutlich. Der erhöhte Rabatt soll zum Kauf weiterer Neukleidung animieren. Aus Sicht von FairWertung ist dies ein Widerspruch in sich. Denn ökologisch viel wirksamer wäre es, wenn hochwertige und langlebige Textilien hergestellt werden, die länger getragen werden können.

Auch das Werbeargument, mit dem Rücknahmesystem würden insbesondere Müllberge verkleinert, ist Augenwischerei. Denn in Deutschland existiert bereits ein flächendeckendes Netz von Abgabestellen. Tatsächlich werden so jährlich ca. 1 Million Tonnen Gebrauchttextilen in bestehende Kleidersammlungen gegeben. Einen Zusatznutzen für die Umwelt leisten Rücknahmesysteme daher nicht.

Rücknahmesysteme von Textilherstellern sind vielmehr eine neue Form von gewerblicher Kleidersammlung in einem heiß umkämpften Markt. Die Textilhersteller treten damit in direkte Konkurrenz zu den Kleidersammlungen gemeinnütziger Organisationen und Einrichtungen.

i 19.04.2016