Charity Shops: Ehrenamt fürs Zweimalschöne

„Wir erleben hier jeden Tag große Unterstützung. Dank unserer Spender_innen können wir unser Sortiment ständig verändern. Ehrenamtliche Mitarbeiter_innen schenken uns Zeit und unsere Kund_innen fördern mit ihren Einkäufen unser Konzept“, freut sich Stefanie Schumann, Shopreferentin von Zweimalschön, dem Braunschweiger Charitygeschäft der Deutschen Kleiderstiftung Spangenberg. „Wir wollen abgelegten Dingen neues Leben einhauchen und aus scheinbar Wertlosem kleine Schätze machen“, sagt die gelernte Damenschneiderin.

Schönes verkaufen, um Gutes zu tun
Ehrenamtliche Mitarbeitende und der Verkauf von Spenden – dies sind wesentliche Merkmale eines Charity Shops, also eines Secondhandladens, der weitgehend auf dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitarbeiter_innen beruht. Ein weiterer Unterschied zu rein gewerblichen Secondhandläden ist das Ziel, mit den Verkaufserlösen gemeinnützige Projekte zu unterstützen – zum Beispiel in Ländern des globalen Südens und in Osteuropa.
„Wir sprechen Kunden an, die etwas Besonderes suchen. Doch als Charity Shop möchten wir gleichzeitig den guten Zweck eines Einkaufs betonen“, erzählt Stefanie Schumann. „Mit meinem Team arbeite ich täglich daran, dass ein Umdenken einsetzt. Wir sensibilisieren dafür unter anderem durch Schulprojekte und Kooperationen mit Kindertagesstätten, um auch jüngere Generationen für die Wiederverwertung guter Kleidung zu begeistern.“

Vorreiter England

Oxfam Shop Frankfurt Sachsenhausen ©kristoflemp
Oxfam Shop Frankfurt Sachsenhausen ©kristoflemp

Die Idee der gemeinnützigen Charity Shops entstand in England. 1947 wurde in Oxford der erste Oxfam-Shop gegründet. Während es in Großbritannien heute etwa 700 Oxfam-Läden gibt, laden in Deutschland 48 Filialen zum Einkauf ein – die meisten von ihnen so genannte Mixshops mit Kleidung, Haushaltswaren und Büchern. „Unsere außergewöhnlichen Secondhandläden haben ein attraktives Angebot – und sie ermöglichen uns als Entwicklungsorganisation, Überflüssiges in flüssige Hilfe zur Armutsbekämpfung weltweit zu verwandeln“, so Dirk Horn, Oxfam-Regionalleiter für Süd- und Westdeutschland.

Neben der Qualität der Ware, der individuellen Ausstrahlung und dem vielfältigen Sortiment sind ein guter Standort und eine helle, freundliche und offene Gestaltung der Läden besonders wichtig, um Kund_innen anzulocken. Denn: Für das Marketing stehen Oxfam nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung. „Schließlich soll möglichst viel Geld in die Visionen und das Ziel von Oxfam fließen – den Beitrag zu weltweiter Gerechtigkeit“, sagt Dirk Horn.

Herausforderung Ehrenamt
Für den Sozialarbeiter gehört auch ein ausreichend großes ehrenamtliches Team zu den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Shop. Um Mitarbeiter_innen zu gewinnen, nutzt Oxfam verschiedene Kanäle: „Wir veröffentlichen redaktionelle Beiträge in lokalen Zeitungen, geben Annoncen auf, gestalten Werbeposter und Flyer, nehmen Kontakt zu lokalen Freiwilligenagenturen auf und laden zu Infoveranstaltungen ein“, berichtet Dirk Horn. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter_innen liegt bei 63 Jahren; gut zwei Drittel haben das aktive Berufsleben abgeschlossen. „Die motivierten ehrenamtlichen Teams geben den Shops ihr besonderes Flair“, so der Pädagoge. „Es darf in unseren Geschäften gerne auch ´menscheln´ - trotz aller notwendigen klaren Regeln und Leitlinien.“ Die unterschiedlichen Potentiale der ehrenamtlichen Unterstützer_innen zu einem idealen Team zusammenzuführen, ist für Stephanie Schumann eine spannende Herausforderung. Denn: „Trotz aller Ehrenamtlichkeit muss sich ein Charity Shop rechnen – und alle müssen die Regeln des Einzelhandels beherrschen“, sagt die Shopreferentin, die ihr Wissen an die Mitarbeitenden von Zweimalschön weitergibt.

Abwechslung für Sammler
Der Charity Shop in Braunschweig wird überwiegend aus der zentralen Sortierung der Deutschen Kleiderstiftung in Helmstedt bestückt. Dort wird ein Teil der bundesweit in Kirchengemeinden eingesammelten Textilien für den Secondhand-Verkauf und für humanitäre Hilfe aufbereitet. In Braunschweig stehen außerdem viele Sammelcontainer für Kleiderspenden bereit. „Es ist sehr reizvoll und nicht ganz einfach, das Sortiment aufgrund der vielfältigen Spenden immer wieder neu und ansprechend zu präsentieren“, findet Stefanie Schumann. Dass das Sortiment täglich wechselt, hat auch für Oxfam-Regionalleiter Horn Charme: „Für Schnäppchenjäger und Sammler ist immer etwas dabei.“

Zufriedene Kunden, optimistische Verkäufer
Zwar sind Charity Shops auf Sachspenden angewiesen, um überleben zu können – aber nicht die Menge ist entscheidend, sondern vor allem die Qualität. Nur gut erhaltene Einzelstücke schaffen es in die Geschäfte, denn die Shops richten sich eher an eine Käuferschicht, die nicht des Geldes wegen auf Gebrauchtwaren angewiesen ist. Vielmehr soll die Verbindung von hochwertiger Ware und sozialem Nutzen das Einkaufserlebnis prägen. Dass die Qualität der Waren in den Läden stimmt, heben auch die Besucher_innen des Charity Shops der Leipziger Heilsarmee hervor. Unlängst haben Mitarbeitende der christlichen Bewegung ihre Kund_innen befragt – und herausgefunden, wie zufrieden die Käufer_innen mit dem Angebot des gemeinnützigen Ladens sind. „Von 112 Befragten hielten 94% die Qualität der Waren für gut bis sehr gut“, berichtet Mark Backhaus, Leiter der Heilsarmee in Leipzig. „Die hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen wurden von 73% als sehr kompetent bezeichnet.“ Dass sie mit ihrem Einkauf soziale Projekte unterstützen, wussten 88,4% der Teilnehmenden.

Die Zufriedenheit macht Mut, findet Mark Backhaus. Auch Dirk Horn von Oxfam sieht optimistisch in die Zukunft: „Wir werden unser Profil schärfen und weitere Shops in neuen Städten eröffnen.“

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