Altkleidersammlungen in Deutschland - Zahlen, Daten, Fakten

Jedes Jahr werden in Deutschland ca. eine Million Tonnen Gebrauchttextilien in Altkleidersammlungen gegeben. Diese Menge füllt 62.000 LKW. Würde man diese aneinanderreihen, ergäbe das eine LKW-Schlange von Flensburg bis Innsbruck.

Mittlerweile gibt es in nahezu jedem Ort in Deutschland Kleidercontainer oder ein Gebrauchtkaufhaus oder Kleiderladen. Verbraucher_innen können daher häufig zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen - und damit auch bewusst entscheiden, an wen sie Kleidung abgeben und wen sie damit unterstützen möchten.

Erfassungs- und Verwertungskreisläufe
Erfassungs- und Verwertungskreisläufe

  1. Kleiderabgabe bei sozialen Einrichtungen
    Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser und auch Hilfsgüterinitiativen nehmen Kleidung direkt an. Die Textilien werden direkt auf ihre Qualität und Verwendbarkeit geprüft und als Secondhand- Kleidung (preiswert) angeboten oder an hilfsbedürftige Menschen im In- und Ausland abgegeben. Unbrauchbare und überschüssige Kleidungsstücke werden von den Einrichtungen an gewerbliche Textilverwerter abgegeben.
  2. Container und Haustürsammlungen:
    Textilien, die in einen Sammelcontainer geworfen oder bei einer Haustürsammlung abgegeben werden, gehen in der Regel unsortiert an gewerbliche Textilverwerter. Bei Containern von gemeinnützigen Sammelorganisationen fliesst der Erlös der Sammlung allerdings in soziale Projekte.

 

Wachsende Kleiderberge

Seit Mitte der 1990er Jahre ist das jährliche Sammelaufkommen an Textilien um mehr als 20% gestiegen. Und die Menge wächst weiter.
Grund dafür sind vor allem immer häufigere Modewechsel und eine immer kürzere Nutzungsdauer der Textilien. Insgesamt kommt so viel mehr Gebrauchtkleidung zusammen, als soziale Einrichtungen benötigen. Deshalb ist es nicht verwerflich, wenn soziale Einrichtungen/Organisationen Textilien an gewerbliche Textilverwerter verkaufen – es geht gar nicht anders. Außerdem werden so Einnahmen für die soziale Projekte erwirtschaftet.

 

Sammlung ist nicht gleich Sammlung
Allerdings lohnt es in jedem Fall, genau hinzusehen, wer eine Kleidersammlung durchführt, was mit den Textilien passiert und wem die erwirtschaften Erlös zugute kommen. Denn der Markt wird immer unübersichtlicher: Inzwischen werden vielerorts Kleidersammlungen durch den kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb durchgeführt. Dadurch wurden (teilweise/ nicht selten) bisherige gemeinnützige Sammlungen verdrängt.

Außerdem ist nicht jede karitativ aussehende Sammlung tatsächlich gemeinnützig. Nicht selten haben gewerbliche Sammler das Logo eines gemeinnützigen Vereins für ihre Sammlungen gemietet. Außerdem werben gewerbliche Sammler zunehmend damit, einen bestimmten Betrag an soziale Einrichtungen zu spenden. Das ändert aber nichts am gewerblichen Charakter der Sammlung.

Ein großes Problem stellt außerdem die große Zahl der illegalen Container dar, die von gewerblichen Sammlern ohne Genehmigung der Behörden aufgestellt wurden. (mehr dazu finden Sie hier)

Das Zeichen FairWertung auf Kleidercontainern oder Sammelzetteln ist daher eine wichtige Orientierungshilfe für alle, die gezielt gemeinnützige Altkleidersammlungen unterstützen möchten Denn Organisationen mit dem Zeichen FairWertung vermieten nicht ihren Namen, sondern sammeln selbst für einen gemeinnützigen Zweck.

Mit einer Altkleiderspende an eine gemeinnützige Organisation kann so noch etwas Gutes getan werden. Dies entspricht auch dem Willen der Mehrheit der Bundesbürger. In einer repräsentativen Umfrage gaben 88 Prozent der Befragten an, mit ihrer aussortierten Bekleidung hilfsbedürftige Menschen oder karitative Organisationen unterstützen zu wollen (bvse 2013).

Der Weg der Gebrauchtkleidung
Die Kleiderbeutel aus Container- und Haustürsammlungen gehen in der Regel unsortiert an gewerbliche Textilverwerter. Auch die Überschüsse aus Sozial- oder Gebrauchtkaufhäusern landen bei Verwertungsfirmen. Da es sich dabei um ein Gemisch von unterschiedlichen Textilien und Qualitäten handelt, müssen die Beutel einzeln in darauf spezialisierten Betrieben per Hand sortiert werden, um möglichst viele Textilien wirtschaftlich verwerten zu können.

Eine fach- und sachgerechte Sortierung ist auch gesetzlich vorgeschrieben: Denn nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) sind unsortierte Gebrauchttextilien „Abfall zur Verwertung“.

Das Sortieren selbst ist reine Handarbeit. Es braucht viel Sorgfalt und Erfahrungen, um die angelieferten Textilien in bis zu 200 verschiedene Artikel und Qualitäten zu unterscheiden. Die einzelnen Stücke durchlaufen dabei mehrere Sortiervorgänge, bis sie am Ende nach Sorten und Qualitäten eingeteilt und verpackt sind.
Allerdings eignen sich nur noch ca. 50-55 Prozent der Textilien für den Secondhand-Gebrauch. Die andere Hälfte lässt sich noch zu Putzlappen oder Rohstoffen verarbeiten oder muss als Müll entsorgt werden.

Zusammensetzung der Gebrauchtkleidung
Zusammensetzung der Gebrauchtkleidung

Dies ist ein wachsendes Problem für die gewerblichen Textilverwerter, da das Sortieren und Verwerten von minderwertigen Textilien nicht kostendeckend ist. Ein Grund, warum Sortierbetriebe zunehmend in Niedriglohnländer abwandern.

Secondhand-Kleidung weltweit gefragt
Die gut erhaltene Secondhand-Kleidung wird weltweit verkauft. Der größte Teil geht nach Mittel- und Osteuropa, Afrika und den Mittleren Osten. Über verschiedene Handelsstufen landet die Kleidung auf den örtlichen Secondhand-Märkten in den Importländern. Denn dort gibt es eine große Nachfrage nach Secondhand-Kleidung, ist sie doch eine preiswerte Möglichkeit, sich mit Kleidung zu versorgen.

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